Trauer-Frei-Zeit

Gemeinsam der Trauer und dem Leben begegnen

Begleitet von kreativen, bunten Eindrücken und Angeboten erlebten die derzeit sieben Mädchen und Jungen der Kindertrauergruppe „Lebensfarben“ vom 17.07.-19.07.2023 drei erlebnisreiche Tage in der durch den Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Greiz organisierten Trauer-Frei-Zeit. Durch kreative, erlebnispädagogische Angebote wurde ihr Leben bereichert und das bereits entstandene Gruppengefühl weiter gefestigt.

Spontanität und Sich-Einlassen sind dabei für die Kinder und Jugendlichen wesentliche Schritte zurück in ein vertrauensvolles Leben, begleitet von Herausforderungen, Angst, Überwindung und Mut. So begann die diesjahrige Trauer-Frei-Zeit unter dem Motto Schritte wagen, Gefühlen begegnen mit einer abenteuerlichen Wanderung zu einem einmaligen, einzigartigen Zeichen der Vergangenheit unweit von Ziegenrück. Die Erkundung der Ziemestalbrücke und die stillgelegte Gleisanlage mit ihren Tunneln weckte die Neugier und das Vertrauen in jedem, erforderte aber auch Zusammenhalt und Mut. Die Ausblicke auf zurückgelegte und bevorstehende Wege, begleitet von Licht und Schatten, Höhen und Tiefen, verdeutlichte umso mehr, wie alles im Leben zusammengehört – die Vergangenheit, aber auch die Motivation und Zuversicht, weiterzugehen und neue unbekannte, unsichere Wege zu wagen. Das Vertrauen und die Kraft der Gruppe, sich gegenseitig zu motivieren, zu unterstützen, aber auch die eigenen Stärken zu spüren, sind dabei wertvolle Erkenntnisse. Abgerundet wurde der erste Tag schließlich durch ein Picknick auf der Wysburg und einem Ausflug zur Sommerrodelbahn Saalburg. Wind im Haar, Spaß, aber auch ein wundervolles gemeinsames Erleben von leichtem Nervenkitzel ließen den Tag mit strahlenden Kinderaugen ausklingen.

Am nächsten Tag - unter der Überschrift Wege bestreiten - wurde der vom letzten Jahr ausgefallene Ausflug zum Kletterwald nachgeholt. Eine kleine Wanderung über den Mosenturm mit tollen Ausblick auf die Talsperre Pöhl sowie die Heimat eines Jeden war die Vorfreude und Aufregung kaum noch zu bremsen. Nach kurzer Einweisung wagten die Mädchen und Jungen jeder auf seine Weise erste Klettertouren und Höhen. Schnell wurde deutlich, was ein Jeder schaffen kann, wenn er selbst an sich glaubt und den eigenen Fähigkeiten vertraut. Gleichermaßen erfuhren sie aber auch, welche Herausforderungen sie als Gruppe bewältigen können. Sie begegneten persönlichen Grenzen, konnten durch die Motivation der anderen neue Schritte wagen und verzweifelten nicht, andere um Hilfe zu bitten, wenn sie den Halt verloren. Damit bewiesen sie eindrucksvoll, welche Kraft, Zielstrebigkeit und Vertrauen diese Kinder und Jugendlichen in sich tragen und konnten diese Ressourcen auf wunderbare Art für sich (neu) entdecken. Miteinander war der Mittelpunkt des Tages. Keinen allein zurücklassen oder auf die Bedürfnisse der anderen zu achten, konnte jedem an diesem Tag eindrücklich auf besondere Art zeigen, dass sie gemeinsam vieles erreichen können. Sie können Schwächen zeigen und dennoch ihre Stärken verwirklichen. Nach einer Stärkung durch ein gemeinsames Mittagessen wartete schließlich eine Überraschung auf die Mädchen und Jungen. Gemeinsam konnten sie die Show der Falknerei Herrmann in Plauen erleben. Nicht zuletzt verdeutlichten ihnen die Greifvögel, wie sie selbst entscheiden können, wie sie ihre Talente und Fähigkeiten für sich selbst zur Entfaltung ihrer eigenen Persönlichkeit nutzen können. Frei zu sein und dennoch anderen sich anzuvertrauen, die es gut mit ihnen meinen, selbst zu entscheiden und dennoch sich mit Hilfe von anderen auf das Leben vorzubereiten. Rücksicht und Wertschätzung vor jedem einzelnen Lebewesen, gleich was ein jeder durchlebt hat oder welche Stärken und Schwächen er hat, jeder ist in seiner Art ein besonderes, wertvolles Geschöpf mit tollen Eigenschaften. Die Falknerei konnte mit ihren beeindruckenden Vögeln, interessanten Informationen sowie wohlgewählten Worten alle auf besondere Weise berühren und begeistern. Natur, Freiheit und Vertrauen ließen den zweiten Tag zu einer weiteren Trauer-Frei-Zeit werden.

„Kleider machen Leute, oder doch Farben …“ war der Aufruf an die Mädchen und Jungen am dritten Tag, sich durch Unterstützung und der Anleitung von der Kunsttherapeutin Sybille Bittner aktiv und kreativ den Gefühlen des Alltags zu begegnen. Mit Farben den Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Sehnsüchten Ausdruck zu verleihen – das konnten die Kinder und Jugendliche auf vielfältige Art und Weise an diesem Tag im Pfarrgarten Tschirma. Durch verschiedene Methoden und Materialien entstanden ganz individuelle und einzigartige Farbklexe und eindrucksvolle Kunstwerke. T-Shirts, Fächer, Beutel und Kissenhüllen erhielten einen individuellen Charakter. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Neben der konzentrierten und intensiven Gestaltungsarbeit gab es für alle genug Möglichkeiten des Austauschs, Spiel und Spaß, aber auch die Möglichkeiten für Pausen oder Zeit für sich. Auch hier zeigte sich die Gemeinschaft und gleichzeitig gegenseitige Motivation, aber auch Rücksichtnahme für die Gefühle, Bedürfnisse des anderen.

Drei für alle beeindruckende Tage endeten schließlich beim anschließenden Abschluss-Grill-Abend mit den Eltern und Angehörigen der Mädchen und Jungen, wo sie der Trauer-Frei-Zeit bei einer kleinen Ausstellung ihrer Kunstwerke und Ergebnisse nachspüren konnten.

In den lediglich drei Tagen mit intensiven, kreativen und erlebnispädagogischen Angeboten verfestigte sich zwischen den Mädchen und Jungen das bereits gute Gruppengefühl. Getragen von Achtung vor dem Schicksal eines jeden, gegenseitiger Motivation und Rücksicht sowie Vertrauen und Offenheit konnten weiter wesentliche Schritte für die Bewältigung ihrer Trauererfahrung gemeistert und das Gruppengefüge zur weiteren Begegnung in der Kindertrauergruppe gestärkt werden.

Wir danken an dieser Stelle allen, die diese Trauer-Frei-Zeit durch die finanzielle, aktive und mentale Zuwendung unterstützt haben, insbesondere der Diakonie Mitteldeutschland, der Sparkasse Gera-Greiz, dem Verein „Viel Farbe im Grau e.V.“, der Kirchgemeinde Tschirma, Sybille Bittner und zwei unserer ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen.

So haben die Kinder und Jugendlichen diese drei Tage erlebt:

„Den Kindern hat es großartig gefallen. Es war sehr gut organisiert und M. fand besonders die Falknerei beeindruckend. Das Zusammensein in der Gruppe ist für die Kinder eine gelebte Gemeinschaft. Aus traurigen Gründen zusammengefunden, ist es das Erleben und der Genuss von Aktivitäten jenseits des Alltags, ein Ort von Freude und Spaß.“

„Die Mädels haben folgendes zu berichten: Das Besondere ist die gemeinsame Zeit mit allen Kindern zusammen. Das gibt es ja nur die 3 Tage im Jahr. Sonst sind die monatlichen Treffen im Trauercafe auch sehr schön. Sehr gefallen hat den Mädels der Kletterwald. Man konnte sich gegenseitig unterstützen und helfen oder motivieren. Man hat gemeinsam etwas gemacht und geschafft. Das Wandern an sich war auch gut, man ist in Bewegung und kann entweder die Gedanken schweifen lassen, die Natur genießen oder Gespräche führen.“

„Das besondere an der Trauerfreizeit sind Wir. Unterschiedliche Personen mit ähnlichen Lebenssituationen treffen aufeinander und können in diesen 3 Tagen gemeinsam Spaß haben.

Die verschiedenen Aktivitäten, die geplant und dann umgesetzt werden, bereiten Allen Freude. Es ist immer eine Überraschung dabei und alle Interessen werden berücksichtigt. Am besten war die kreative Arbeit mit Sybille. Dort kann man seiner künstlerischen Ader freien Lauf lassen und das sogar zusammen mit anderen. Jeannette und Sybille lassen sich jedes Mal etwas Neues einfallen und die Zeit mit den beiden ist äußerst angenehm und dynamisch.

In Erinnerung bleiben die Gespräche und Wanderungen, die in den 3 Tagen unternommen wurden. Sie haben allen Beteiligten viel Spaß gemacht und man lernte viel dazu.

Mittlerweile sind alle in unserer Gruppe gute Freunde geworden und es kann ohne Scheu und Angst vor Verurteilung alles mit der Gruppe geteilt werden. Das ist für mir sehr wichtig.